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Dienstag, 23. November 2010

122 Ein Ende mit Schrecken und Folter

Am Ende unseres Trips haben wir etwas fuer uns sehr untypisches getan. Aufgrund unseres Zeitlimits waren wir gezwungen unsere letzten Tage eng zu planen. Um also sicher zu gehen, dass wir unseren Flug von Santiago de Chile nach Guatemala erreichen koennen, haben wir 10 Tage im Voraus unseren Bus von Bariloche nach Santiago (28 h Fahrt) gebucht. Wir wollten es fuer diese lange Fahrt so gemuetlich wie moeglich haben, also buchten wir Cama-Sitze. Nochmals zur Erklaerung: Cama ist wie erste Klasse im Flugzeug, schoen breit und man kann den Sitz so weit nach hinten klappen, dass man fast wie in einem Bett schlaeft. Wir wollten auf Nummer sicher gehen, sind also extra zum Busbahnhof gegangen. Wir durften uns bei dem netten Ticketverkaeufer auch die Sitznummern aussuchen, er zeigte uns am Computer einen huebschen Plan -3 Sitze nebeneinander - klar, bei Cama ist das immer so. Er erzaehlte uns vom Essen und Trinken im Bus und kassierte ein guten Batzen fuer die Tickets ab. Soweit, so gut, wir waren gluecklich und beruhigt!
Man muss ja sagen, toi toi toi, wir hatten ja wirklich bisher viel Glueck waehrend unserer Reise, aber dieser nette Ticketverkaeufer hat uns noch mal so richtig abgezockt, wir sind so richtig reingefallen: Als es dann 10 Tage spaeter losgehen sollte, waren wir geschockt. Der Doppeldeckerbus war von einer ganz anderen Gesellschaft, es gab kein Service (also kein Essen, kein Trinken, keine Decke) und es gab gar keine Cama-Klasse in dem Bus. Der Verkaeufer hatte uns zwar Cama-Klasse bezahlen lassen, aber wir fuhren Semi-Klasse (aehnlich den deutschen Bussen auf Kaffeefahrten). Natuerlich sind wir zu ihm an den Schalter gegengen, um ihm zu sagen, dass wir DAS nicht gebucht hatten. Aber er ignorierte uns einfach, und wir mussten wohl oder uebel in den Bus einsteigen, wenn wir ihn nicht verpassen wollten....Eng wie in einer Dose Oelsardinen harrten wir 28h aus und waren stinksauer. Als ich dann meine Schuhe auszog, um es mir dann schlussendlich doch noch ein wenig gemuetlich zu machen, meinte der Steward, es waere verboten seine Schuhe im Bus auszuziehen. Da ich nicht verstand aus welchen Gruenden es dieses Verbot gab, wies ich auf zwei Amerikanerinnen hin, die ihre nackten Fuesse gegen die Windschutzscheide drueckten. Das waere OK, denn sie waeren mit FlipFlops eingestiegen, die koenne man ausziehen... - Das soll einer verstehen....
Als dann endlich ein Film gezeigt wurde, stieg unsere Hoffnung, dass die Zeit doch recht schnell vergehen koennte. Leider gab es nur diesen einen Film in 28h und ratet mal, was gezeigt wurde: Dirty Dancing - also viel schlimmer konnte es nicht werden.
Aber auch das war noch zu uebertreffen. Als die Amerikanerinnen vor uns aus Langeweile lautstark Techno-Musik aus ihrem i-Pod abgespielten, dachte der Chilene hinter uns, dass kann ich auch und spielte sein Panfloetengedudel ueber sein Handylautsprecher ab. Wir mittendrin und wir koennen nur sagen: Techno-Planfloeten-Gedudel wird nie den Weltmarkt erobern. Hilfe, hat man denn kein Recht auf Ruhe - ist das nicht ein Grundbeduerfnis des Menschen!!!!!!

Tschuess Suedamerika, jetzt wird alles besser ... oder?

Samstag, 20. November 2010

121 Der Anfang von Patagonien und unser Ende von Suedamerika

Patagonien, hoerten wir, ist ein Muss, wunderschoene, menschenleere Landschaften. Seen, Wanderwege, einfach etwas, was man nicht verpassen sollte.
Einfacher gesagt, als getan, denn es liegt ganz im Sueden von Chile und Argentinien, Busse fahren nur im suedhalbkugeligen Sommer, zu manchen Gegenden kommt man nur mit Boot oder Flugzeug. Wir mussten also wohl oder uebel bis jetzt warten, um ueberhaupt in dieses schoene Stueck Land zu kommen. Aufgrund unseres Zeitlimits konnten wir auch nur einen kleinen Teil bereisen, aber der war es wert. 4 Tage Bariloche, 3 Trekkingausfluege, warme Sonne und kalter Wind, ein Picknick am See, windgeschuetzt mit sommerlichen Temperaturen, dann eine Rast nach einer anstrengenden Bergerklimmung an der Schneegrenze. Ein schoenes Hostel mit netten Mitbewohnern, vielen Netbooks und einigen Flaschen Rotwein. Gutes Eis und Schokolade - ja, man kann sagen, es hat uns gefallen.



Mittwoch, 17. November 2010

120 In Puerto Madryn auf Walfang

Wir haben mal eben halb Argentinien durchquert (19 Stunden mit dem Bus) und sind von der chilenischen Grenze an den Atlantischen Ocean gefahren. Es ist Walsaison und in Puerto Madryn ist die Touristenhoelle los. Dementsprechend erhoehen sich zu dieser Zeit auch die Preise fuer die Hotels. Nach einigen Stunden des Suchen und Feilschens hatten wir schlussendlich nicht nur ein kleines nettes und recht guenstiges Hostel gefunden, sondern auch noch zwei deutsche Maedels aufgegabelt, die gerne mit uns die naechsten Tage und ein Mietauto teilen wollten. Von unserem Hostelleiter erhielten wir dann nicht nur eine Strassenkarte, sondern auch einen "Geheimtipp", wo man Wale auch vom Strand aus beobachten koennte. Gut geruestet machten wir uns die naechsten zwei Tage auf, um Wale, Orkas, Delphine und Pinguine zu beobachten. Wir wurden mit Susanne (Suse) und Ulrike (Ulli) nicht so richtig warm, es mag daran gelegen haben, dass sich beide wie zwei Schulmaedchen auf Klassenfahrt gebaerdeten und mehr kicherten und giggelten als zusammenhaengende Saetze zu formulieren oder gar ein Gespraech aufrecht zu erhalten. Mag es an der Waldorfschulausbildung gelegen haben...??
Die Erlebnisse konnten sie aber trotzdem nicht schmaelern. Der Geheimtipp war gar nicht so geheim, aber wir waren in der Lage die bis zu 15 Tonnen schweren Tiere 20m vom Strand aus im Wasser zu beobachten. Danach ging es ein paar Kilometer weiter und mit einem kleinen Boot rauf aus Meer. Dort haette man vom Boot aus auf die Tiere springen koennen, so nah waren sie. Es waren ein paar wunderschoene Momente zusammen mit diesen riesigen und friedlichen Urzeitwesen. Leider verging die Zeit viel zu schnell und wir mussten mit dem Auto weiter. Orkas und Delphine haben wir nicht gesehen, aber dafuer konnten wir Pinguine (ca. 1 Mio) und Guerteltiere und Fuechse (jeweils einen) bewundern.




Sonntag, 14. November 2010

119 Ich geh' mal eben schnell einkaufen, Schatz...

Wer diesen Satz in Suedamerika, besonders in Argentienen, das erstemal ausspricht, weiss noch nicht, welches Abenteuer auf ihn wartet. Argentinier lieben das geordnete Chaos. Wer in ein Geschaeft geht, egal in welches, sei es der Metzger nebenan, die Eisdiele an der Ecke oder aber auch zu Mc. Dondalds, der zieht erst einmal eine Nummer. Denn Wartezeiten gibt es immer und auch mit dem Nummernziehen ordnet sich das Chaos nicht merklich - jedenfalls nicht fuer uns. Trotz des ausgekluegelten Systems mit den Nummern (irgendwie hat das Aehnlichkeit mit Lotto, denn auch hier braucht man ein gutes Stueck Glueck und viel Geduld, damit es sich auszahlt) gibt es immer jemanden, der von hinten kommt und schneller seine Ware bekommt. Optimisisch erklaert sich das durch: Aeh, er war schonmal im Laden, hat bestellt und kommt jetzt nur die Ware abholen. Ehrlich gesagt, wir glauben, die sind hier einfach alle verwandt oder verschwaegert. Man wird also trotz der Nummer einfach uebergangen oder gar komplett ignoriert. Das lassen sich natuerlich die wartenden Einheimischen nicht gefallen und murren. Jeder redet wild, argumentiert und schimpft durcheinander, die Arbeit kommt zum Erliegen, die Wartezeit verdoppelt sich. Nach einer kurzen Welle der Aufregung beruhigen sich dann alle wieder, der Betrieb kann wieder aufgenommen werden. Man bestellt seine Ware und wer jetzt denkt, das wars, der irrt. Jetzt wird das Bestellte, z.B. beim Metzger, ersteinmal gewogen und man bekommt einen Kassenbon (man wird also von einer Nummer zum Kassenbon upgegraded). Mit dem Bon stellt man sich in eine neue Schlange, der Kassenschlange, an. Hier wird deine Tuete dann dem "Schnellsten" feilgeboten. Der Kassierer bekommt "deine" Tuete mit der Wurst, tippt den Preis in seine Kasse und ruft: Treintadosiviente (32,20 Pesos). Wer dann nicht schnell genung hier ruft und dem Kassierer das Geld hinstreckt, dem koennte die gerade sorgsam ausgesuchte Ware abhandenkommen, wenn ein anderen einen aehnlichen Preis auf seinem Bon stehen hat. Das fuehrt dann natuerlich zu weiteren Diskussionen und die Wursttuete wird nochmal aufgemacht und es wird nachgeschaut was denn da so alles drin ist...
Jetzt muesst ihr euch nur noch vorstellen, dass dieser ganze Zirkus sich auf ca. 10qm abstpielt, ueberall liegt Wurst im Regal, auf dem Regal und haengt von der Decke. Naja, und dann sind natuerlich mind. 20 Leute in diesem engen Raum. Viel chaotischer geht es nicht.....
Etwas beschaulicher geht es in einem Supermarkt zu. Hier stellt man sich mit den Waren zusammen mit seinem Einkaufswagen an die Kasse. Ganz modern gibt es hier auch Schnellkassen. Allerdings mussten wir feststellen, dass diese 'Caja rapido' meist nicht die Geschwindigkeit der Kassierer, sondern eher den Standort 'ganz rechts' bezeichnen. Die Argentinier sind von Natur aus sehr gesellige und redselige Menschen, und halten gerne an der Kasse ein kleines Plaeuschchen. Manchmal verschwindet der Kassierer einfach um Geld, vor allem Kleingeld, von einer anderen Kasse zu holen und dies geschieht dann auch nicht wortlos sondern ist begleitet durch ein kleines Gespraech unter Kollegen. Geradezu meditative Geduld muss man als schnelligkeitverwoehnter Europaeer aufbringen, wenn die Kunden feststellen, dass sie nicht genug Geld mithaben. Denn dann wird sortiert und diskutiert. Das Noetigste muss natuerlich mit: "Also, reicht das Waschpulver noch bis uebermorgen? Muss ich wirklich heute waschen?...Wieviel Geld haben wir denn noch?"... Gerne verhandeln Ehepaare auch ueber die Tuete Chips, die ER haben will, und die Tampons, die SIE benoetigt. "Wir koennen uns ja auf Binden und eine kleine Tuete Chips einigen". Diese muss dann freilich erst einmal aus dem Laden besorgt werden. Die Ware, die dann doch aussortiert wurde, verbleibt einfach im Einkaufswagen, die Supermarktangestellten werden es schon wieder einraeumen. Und wir stehen immer noch in der Schlange und warten.

Mittwoch, 10. November 2010

118 Mendoza, die Weingegend

Mendoza gilt als Eins der besten Weinanbaugebiete in Argentinien, vielleicht sogar in ganz Suedamerika. Was macht man also? Man leiht sich ein Fahrrad und faehrt los zu den verschiedenen Weingueter, um professionell - also mehr oder weniger in unserem Fall - Wein zu testen. Nachdem wir schon einige Zeit auf dem Drahtesel zu einer Bodega unterwegs waren, rief eine Polin recht verzweifelt hinter uns her: Kann ich mit Euch fahren, ich kurve schon seit 3 Stunden hier rum und alle Weingueter haben geschlossen... Ok, wir waren an einem Samstag dort, und schon recht spaet dran, doch schockte uns diese Nachricht ein wenig. Wir beschlossen also erst einmal zu dritt in den Biergarten einzukehren, an dem wir gerade vorbeikamen, um unsere Weintestplaene weiter reifen zu lassen. Aus Protest bestellten wir also ein kuehles Bier in einem Biergarten in der doch so beruehmten Weingegend. Wir hatten einen netten Plausch in einer chilligen Atmosphaere in der Sonne und philosophierten ueber die Notwendigkeit des Weintestens. Unser Durst nach dem Traubensaft siegte schlussendlich und so schwangen wir uns wieder auf unsere Sattel, um nach 10 km doch noch eine sehr schoene Bodega mit exzellentem Wein zu finden. Wir erhielten trotz der fortgeschrittenen Zeit doch noch eine nette Fuehrung durch die alten Gemaeuer und bekamen ein paar ausgesuchte Tropfen zum Trinken.

Sonntag, 19. September 2010

099 Der Sueden von Salta / Autofahren in Argentinien

Also, wir sind ja nun schon ein bisschen rumgekommen. Mopedfahren in Vietnam ist sehr abenteuerlich, aber wir haben es schadensfrei ueberlebt. Taxifahren in China bescherte uns immer wieder ein Adrenalinkick. TukTuk-fahren in Bangkok ist sehr laut und nervenaufreibend..., aber auch das haben wir ueberlebt.
Wer sich in Argentinien ein Auto mietet, sollte einen Ratschlag beherzigen: Raus aus der Stadt! Argentinier sind naemlich kleine Machos und fahren alle wie pubertierende Teenager die gerade einen Fuehrerschein geschenkt bekommen haben. Folgende Regeln gelten daher im Strassenverkehr: LKW vor Bus vor Pickup vor Auto vor Motorrad vor Fussgaenger vor Tourist. Und wer meint, es eilig zu haben, der nimmt sich die Vorfahrt. Rechts vor links: Fehlanzeige. Der Argentinier denkt bei Ampeln: Was bedeuten eigentlich die Farben? Rot heisst wohl hupen und weiterfahren, oder? Und zu guter Letzt: Wo Platz ist, da wird ueberholt. Die Folgen: es gibt kein Fahrzeug ohne Dellen.
Wir sind mit unserem Leihwagen ungefaehr 500 m weit gekommen, als ein anderes Auto uns ueberholte, natuerlich war es ein wenig zu eng, das Auto ein wenig zu schnell und unser Seitenspiegel ein wenig demoliert! Gut, dachten wir, so ist das in der Stadt. In der Pampa gibt es nicht soviele Autos und die Strassen sind etwas breiter. Richtig! Dafuer fehlt hier aber auch der Asphalt auf den Strassen. Das ist kein Problem, wenn man einen Landcruiser hat, aber unser kleiner VW Gol (ist wie ein Polo) ist dafuer nicht ausgerichtet. Die Strassen waren sehr uneben, sehr steinig, viele Loecher und Krater, denen man versuchen musste, auszuweichen. Dies klappte nicht immer. Dieses kleine Autochen hat ganz schoen gelitten. Und die Raeder auch. Es kam, wie es kommen musste, wir hatten einen Platten und haben es nicht sogleich bemerkt. Wir haben also auch die Felge geschrottet und im Nachhinein natuerlich dafuer bezahlt....
Als wir dann nach Salta zurueckkamen, parkten wir keine 5 min vor unserem Hostel, als wir mit ansehen mussten, wie ein anderes Fahrzeug beim Einparken unseren liebgewonnenen VW noch einen kraeftigen Schubs gab. Unsere Leihwagenfirma hat sich gefreut...
Wir haben also gelernt, Verkehr kann ganz schoen gefaehrlich sein!

On Tour

(dies ist kein schwarz-weiss Foto)




Tiere in Argentinien
Original und Kopie


Eindruecke aus der Cafayate